Der Staats-Anzeiger
Bismarck, North Dakota
19 March 1914
Film 3639, Vol. 8, No. 34, Page 5

Strasburg, North Dakota
March 2, 1914

Today I started the second month of school at the Joachim’s. My students have made good progress so far, and if they continue working with the same energy I will achieve dazzling results and achieve as much in organ-playing as I set out to do at the beginning. Of course, that can be achieved only through willing obedience and diligence. Difficulties are always bound in with teaching, for not all students learn at the same pace. Many make an effort and want to do better than the others, and that is praiseworthy, but there are also students who are pumped full of indolence, laziness and meanness, and these cause the teacher unspeakable concern. However, I have been spared such affliction and struggles, and can look joyfully into the future and promise myself great success.

Since coming here I have also received letters from Canada about giving organ lessons. Hopefully the gentlemen will know that they must be patient, for I will gladly give them the desired lessons, because so far I am not having my new house built in Bismarck or perhaps will be forced to do so because of circumstances. Several gentlemen in the Bismarck area advised me to settle there, as they wanted to supply me with students.

I would like very much to know why my dear friend Andreas Albrecht doesn't answer my letters. Might they not have reached him? My address is "Anton Jochim, Strasburg, North Dakota." Please be so kind as to publish your address in Der Staats-Anzeiger, for I do believe that you are a reader of the paper.

Sincere greetings to my wife Barbara and my nephew Friedrich Hoffart. I thank both of you for your letters, and I must commend your diligence. On the other hand, my other nephew, Joseph Melle, remains completely silent. Perhaps he is no longer alive?

Wendelin Doll was laid to rest in Strasburg on February 26. He was sick for a short time, and leaves a grieving widow and several children who are still single.

Health conditions are not the best around here.

I saw my aged godparents Jakob and Theresia again and we have visited each other. Both are active and obese. They send greetings to my wife and would like to see her too. Godfather Jakob has become a busy farmer and the owner of a considerable estate.

Greetings to my dear wife and to the readers of the paper.

Anton Jochim

Irma Geiss Katz Collection, Skokie, Illinois
Translation by Raymond C. Backes, Altadena, California, April 2004
© 2004 by Raymond C. Backes
All Rights Reserved

_______________________________________________________________

Heute begann ich bei den Herren Jochim mit dem zweiten Monat im Schulunterricht. Meine Studiosen haben bis jetzt gute Fortschritte gemacht, und wenn sie mit der alten Energie weiter arbeiten, werde ich glänzende Resultate erzielen und so viel im Orgelspiel erreichen wie ich mir bei Beginn des Unterrichts zur Aufgabe machte. Freilich, nur durch williges Gehör und Fleiß kann so etwas erreicht werden. Der Schulunterricht ist für den Lehrer immer mit Schwierigkeiten verbunden, denn die Studirenden lernen nicht alle gleich schnell. Viele strengen sich an und wollen einer den anderen überflügeln, und das ist löblich, aber es giebt auch Schüler, die von Trägheit, Faulheit und Bosheit vollgepumpt sind und diese bereiten dem Lehrer unsäglichen Kummer. Doch bin ich hier soweit von solchen Leiden und Kämpfen verschont geblieben und darf freudig in die Zukunft blicken und mir große Erfolge versprechen.

Seit meines Hierseins erhielt ich auch schon Briefe aus Canada wegen Ertheilung von Orgelunterricht. Die Herren werden sich aber hoffentlich zu gedulden wissen, denn ich will ihnen gerne den erwünschten Unterricht ertheilen, denn ich nicht bis dahin mein in Bismarck neu zu bauendes Haus auffuhren lasse, oder vielleicht durch Umstände gezwungen werde, es bauen zu lassen. Mehrere Herren in der Umgegend Bismarcks riethen mir zu, mich dort niederzulassen, wie sie mir auch Schüler übergeben wollen.

Möchte gerne wissen, warum mein lieber Freund Andreas Albrecht auf meine Briefe nicht antwortet. Sollten sie thut nicht zu Händen gekommen sein? Meine Adresse: Anton Jochim, Straßburg, N. D. Haben Sie die Güte, mir Ihre Adresse im Der Staats-Anzeiger zu melden, denn ich glaube, Sie sind Leser des Blattes. (Mag sein, aber da Sie nicht schreiben, wo Herr Albrecht sein soll, können wir das bestimmt nicht sagen.-Red. Der Staats-Anzeiger.)

Herzliche Gruße an meine Frau Barbara und meinen Neffen Friedrich Hoffart. Ich danke beiden sehr für ihre lieben Briefe und muß ihren Fleiß loben. Dagegen verhält sich mein andere Neffe, Joseph Melle, ganz still. Vielleicht weilt Joseph nicht mehr unter den Lebenden?

Am 26. Februar wurde in der Straßburger Gemeinde Wendelin Doll zur letzten Ruhe bestattet. Er war um kurze Zeit krank und hinterläßt eine trauernde Wittwe mit mehreren noch ledigen Kindern.

Der Gesundheitszustand ist hier nicht am besten.

Unsere alten Gevatterleute Jakob und Theresia habe ich auch wieder einmal gesehen und wir machten einander Besuche. Beide sind munter und korpulent. Sie grüßen meine Frau und möchten sie gerne auch sehen. Gevatter Jakob ist ein tüchtiger Farmer geworden und Besitzer eines ansehnlichen Vermögens.

Gruß an meine liebe Frau und an den Leserkreis des Blattes.

Anton Jochim